
RheRuhRep steht für unseren redaktionellen Blick auf Rhein und Ruhr. Und kaum ein Thema zeigt die Spannungen der Region so deutlich wie der Verkehr.
Zwischen Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund und den vielen Städten dazwischen gehört das Auto für Millionen Menschen zum Alltag. Es bringt Pendler zur Arbeit, Familien zum Einkauf, Handwerker zu ihren Kunden und Menschen dorthin, wo Bus und Bahn nicht ausreichend funktionieren.
Gleichzeitig sind Staus, volle Straßen, Parkplatzsuche, Lärm und schlechte Luft für viele längst ebenso alltäglich.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob das Auto aus der Rhein-Ruhr-Region verschwinden soll.
Sondern: Wie viel Auto verträgt eine der dichtesten Stadtregionen Deutschlands noch?
Das Auto ist Teil des Problems und Teil der Realität
Eine einfache Antwort gibt es nicht.
Wer ausschließlich fordert, Autos aus den Städten zu verdrängen, ignoriert die Lebensrealität vieler Menschen. Nicht jeder Arbeitsplatz liegt an einer guten Bahnverbindung. Nicht jeder Stadtteil ist hervorragend an den Nahverkehr angeschlossen. Schichtarbeit, Kinderbetreuung, Einkäufe oder berufliche Termine lassen sich nicht immer bequem mit Bus und Bahn organisieren.
Gleichzeitig funktioniert es genauso wenig, jede Verkehrsfrage weiterhin vom Auto aus zu denken.
Straßenraum ist begrenzt.
Jeder Parkplatz, jede zusätzliche Fahrspur und jede große Kreuzung nimmt Fläche ein, die nicht gleichzeitig für Bäume, breitere Gehwege, Radwege, Außengastronomie oder Aufenthaltsflächen genutzt werden kann.
RheRuhRep sieht genau darin den Kern der Debatte: Es geht nicht um Auto gegen Fahrrad oder Auto gegen Bahn.
Es geht darum, wie der begrenzte Raum in unseren Städten sinnvoll verteilt wird.
Rhein-Ruhr ist besonders auf Mobilität angewiesen
Die Region ist kein klassischer Ballungsraum mit einem einzigen dominierenden Zentrum.
Menschen pendeln in alle Richtungen.
Ein Duisburger arbeitet in Düsseldorf. Eine Essenerin fährt nach Bochum. Ein Dortmunder hat Kunden in mehreren Ruhrgebietsstädten. Hinzu kommen Pendler aus dem Umland und Menschen, die täglich zwischen den vielen Zentren unterwegs sind.
Das macht Mobilität hier besonders komplex.
Wenn der öffentliche Verkehr unzuverlässig oder umständlich ist, bleibt das Auto häufig die attraktivere Lösung.
Wer weniger Autoverkehr will, muss deshalb zuerst dafür sorgen, dass Alternativen wirklich funktionieren.
Der Nahverkehr entscheidet mit
Für RheRuhRep ist klar: Eine ernsthafte Verkehrswende beginnt nicht beim Verbot, sondern beim Angebot.
Busse und Bahnen müssen zuverlässig, verständlich und praktisch nutzbar sein.
Ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel wird nur dann dauerhaft attraktiv, wenn Menschen nicht ständig mit Ausfällen, langen Wartezeiten, komplizierten Verbindungen oder fehlenden Anschlüssen rechnen müssen.
Gerade in einer Region, in der Stadtgrenzen im Alltag kaum eine Rolle spielen, müsste Mobilität viel stärker regional gedacht werden.
Der Arbeitsweg von Essen nach Düsseldorf ist aus Sicht des Fahrgasts schließlich keine kommunale Angelegenheit.
Er ist einfach ein Arbeitsweg.
Parkplätze sind emotionaler, als sie aussehen
Kaum eine kommunale Verkehrsdebatte eskaliert so zuverlässig wie die Frage nach Parkplätzen.
Das ist verständlich.
Für Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, bedeutet ein wegfallender Parkplatz ganz konkret mehr Aufwand.
Auf der anderen Seite steht die Frage, ob zentrale öffentliche Flächen dauerhaft überwiegend zum Abstellen privater Fahrzeuge dienen sollten.
Ein einziger Parkplatz wirkt klein.
Eine ganze Straße voller parkender Autos prägt dagegen das Erscheinungsbild und die Nutzung eines Viertels erheblich.
RheRuhRep meint: Genau deshalb braucht es mehr Differenzierung.
Nicht jeder Parkplatz ist überflüssig. Aber auch nicht jeder bestehende Parkplatz muss automatisch für immer erhalten bleiben.
Unterschiedliche Orte brauchen unterschiedliche Lösungen
Was in einer dicht bebauten Düsseldorfer Innenstadt sinnvoll ist, muss für einen Außenbezirk von Dortmund nicht passen.
Ein Wohnviertel mit schlechter ÖPNV-Anbindung braucht andere Lösungen als eine zentrale Geschäftsstraße direkt neben einem Bahnhof.
Auch innerhalb einer Stadt unterscheiden sich die Anforderungen enorm.
Pauschale Lösungen werden dieser Region deshalb kaum gerecht.
Stattdessen braucht es eine Mischung aus gutem Nahverkehr, sicheren Radwegen, funktionierenden Straßen, intelligenter Parkraumnutzung und attraktiven Fußwegen.
Weniger Verkehr kann auch mehr Lebensqualität bedeuten
Die Diskussion dreht sich häufig darum, worauf Autofahrer verzichten sollen.
Vielleicht sollte stärker darüber gesprochen werden, was Städte gewinnen können.
Weniger Durchgangsverkehr kann Straßen ruhiger machen. Weniger parkende Fahrzeuge können Platz für Bäume oder Sitzgelegenheiten schaffen. Sichere Radwege können kurze Autofahrten ersetzen. Breitere Gehwege können ganze Straßen angenehmer machen.
Das bedeutet nicht, dass jede Straße autofrei werden muss.
Es bedeutet lediglich, dass Mobilität nicht die einzige Funktion des öffentlichen Raums ist.
Die Region braucht keinen Kulturkampf
Zu oft wird Verkehrspolitik als Kampf zwischen Gruppen geführt.
Autofahrer gegen Radfahrer. Radfahrer gegen Fußgänger. Innenstadt gegen Umland.
Damit ist wenig gewonnen.
Die meisten Menschen sind ohnehin nicht ausschließlich eine dieser Gruppen.
Morgens fahren sie mit dem Auto zur Arbeit, am Wochenende mit dem Fahrrad und abends zu Fuß zum Restaurant.
RheRuhRep findet deshalb: Gute Verkehrspolitik sollte nicht fragen, welche Gruppe gewinnen soll.
Sie sollte dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen zuverlässig, sicher und unkompliziert ans Ziel kommen.
Die Rhein-Ruhr-Region wird auch in Zukunft Autos brauchen.
Aber sie kann es sich genauso wenig leisten, ihre Städte vollständig nach ihnen auszurichten.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob wir das Auto brauchen.
Sondern wo wir es wirklich brauchen und wo wir inzwischen bessere Lösungen finden können.

