
Leere Schaufenster gehören inzwischen in vielen Städten zwischen Rhein und Ruhr zum vertrauten Bild. RheRuhRep fragt deshalb: Ist Leerstand ausschließlich ein Zeichen des Niedergangs oder kann er auch der Anfang von etwas Neuem sein?
Zunächst muss man festhalten: Leerstand ist ein Problem.
Wenn Geschäfte schließen und Flächen über Monate oder Jahre ungenutzt bleiben, verändert sich das Gesicht einer Straße.
Schaufenster werden abgeklebt. Passantenfrequenz sinkt. Nachbarbetriebe verlieren Kundschaft. Gebäude wirken ungepflegt.
Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Leerstände direkt nebeneinander entstehen.
Dann verändert sich schnell die Wahrnehmung eines ganzen Quartiers.
Die alte Innenstadt kommt nicht einfach zurück
Der Reflex vieler Kommunen ist verständlich.
Ein Geschäft schließt, also muss möglichst schnell ein neues Geschäft gefunden werden.
Doch genau hier lohnt sich eine grundsätzlichere Frage.
Was passiert, wenn es für all diese Flächen künftig schlicht nicht mehr genügend klassischen Einzelhandel gibt?
Der Onlinehandel hat Einkaufsgewohnheiten verändert. Große Warenhäuser verlieren an Bedeutung. Banken reduzieren Filialen. Auch viele Dienstleistungen benötigen weniger Fläche als früher.
Darauf zu hoffen, dass irgendwann einfach wieder dieselbe Einkaufswelt zurückkehrt, dürfte deshalb kaum reichen.
RheRuhRep glaubt: Leerstand zwingt Städte dazu, über neue Nutzungen nachzudenken.
Und genau darin liegt eine Chance.
Warum muss ein Laden immer wieder ein Laden werden?
Ein ehemaliges Geschäft kann vieles sein.
Ein Atelier. Ein Büro. Ein Veranstaltungsraum. Eine Werkstatt. Ein Nachbarschaftstreff. Eine kleine Ausstellung. Ein Bildungsangebot. Gastronomie. Eine soziale Einrichtung.
In größeren Gebäuden sind sogar völlig neue Nutzungsmischungen denkbar.
Erdgeschoss Gastronomie oder Dienstleistungen, darüber Büros, Wohnungen oder Bildungsangebote.
So könnte aus einer ehemaligen reinen Einkaufsimmobilie ein Ort entstehen, der zu unterschiedlichen Tageszeiten genutzt wird.
Das würde viele Innenstädte deutlich lebendiger machen.
Dafür braucht es Mut
Neue Nutzungen entstehen allerdings nicht automatisch.
Eigentümer müssen bereit sein, neue Konzepte auszuprobieren. Städte brauchen flexible Genehmigungen. Mieten müssen zu neuen Nutzungen passen.
Und manchmal muss auch akzeptiert werden, dass eine ungewöhnliche Zwischennutzung besser ist als jahrelanger Leerstand.
Warum nicht Flächen vorübergehend günstig an Künstler, Vereine, Start-ups oder lokale Initiativen vergeben?
Nicht jedes Experiment wird funktionieren.
Aber dauerhaft geschlossene Rollläden funktionieren ebenfalls nicht.
Leerstand kann sichtbar machen, was Städten fehlt
Vielleicht sollte man leerstehende Flächen deshalb nicht ausschließlich als Verlust betrachten.
Sie zeigen auch, wo Platz für Veränderungen entsteht.
Braucht das Viertel mehr Kultur?
Fehlen Räume für Jugendliche?
Gibt es zu wenig Gastronomie?
Braucht die Innenstadt mehr Wohnungen?
Oder fehlen kleine Flächen für lokale Unternehmen und kreative Projekte?
RheRuhRep findet: Genau solche Fragen sollten Städte stellen, bevor sie versuchen, die Vergangenheit möglichst exakt wiederherzustellen.
Die Innenstadt muss nicht gerettet werden
Dieser Begriff fällt häufig.
Doch vielleicht ist er falsch.
Innenstädte müssen nicht konserviert werden, als wäre ihre heutige Form der einzig mögliche Zustand.
Städte haben sich schon immer verändert.
Auch die Einkaufsstadt, die wir heute kennen, war irgendwann einmal eine neue Entwicklung.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie wir die Innenstadt von gestern zurückbekommen.
Sondern wie wir die Innenstadt von morgen gestalten wollen.
Leerstand ist dabei zweifellos eine Herausforderung.
Aber richtig genutzt kann genau er der Raum sein, in dem etwas Neues beginnt.
Und genau diese Veränderungen will RheRuhRep weiter begleiten.

