
RheRuhRep steht für unseren redaktionellen Blick auf Rhein und Ruhr. Und dieser Blick zeigt: Viele Innenstädte der Region stehen vor einer grundlegenden Frage, die weit über einzelne leerstehende Ladenlokale hinausgeht.
Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum, Dortmund, Oberhausen oder Gelsenkirchen unterscheiden sich deutlich voneinander. Trotzdem begegnet einem in vielen Zentren ein ähnliches Bild. Geschäfte verschwinden, große Warenhäuser schließen, Filialisten ziehen sich zurück und manche Fußgängerzone wirkt außerhalb der Haupteinkaufszeiten erstaunlich leer.
Lange wurde Innenstadt fast automatisch mit Einzelhandel gleichgesetzt. Wer Menschen in die Zentren bringen wollte, brauchte Geschäfte. Wer eine attraktive Innenstadt wollte, brauchte möglichst viele Verkaufsflächen.
Dieses Modell funktioniert heute immer weniger.
Die Innenstadt muss mehr können
Onlinehandel, veränderte Konsumgewohnheiten und steigende Kosten haben den klassischen Einzelhandel verändert. Darauf ausschließlich mit neuen Geschäften reagieren zu wollen, greift zu kurz.
Die spannendere Frage lautet deshalb: Was soll eine Innenstadt eigentlich sein, wenn Einkaufen nicht mehr ihre einzige Hauptfunktion ist?
Aus Sicht von RheRuhRep liegt darin auch eine große Chance.
Innenstädte können wieder stärker Orte des alltäglichen Lebens werden. Dazu gehören Wohnungen, Gastronomie, Kultur, Bibliotheken, Bildung, Dienstleistungen, Märkte, Veranstaltungen, Grünflächen und öffentliche Orte, an denen Menschen sich aufhalten können, ohne zwingend etwas kaufen zu müssen.
Gerade zwischen Rhein und Ruhr, wo Städte dicht nebeneinanderliegen und um Besucher, Bewohner und Unternehmen konkurrieren, wird Aufenthaltsqualität immer wichtiger.
Nicht jede freie Fläche braucht den nächsten Laden
Ein leerstehendes Geschäft durch ein anderes Geschäft zu ersetzen, kann sinnvoll sein. Es sollte aber nicht automatisch die einzige Antwort sein.
Warum sollte aus einem ehemaligen Ladenlokal nicht eine Werkstatt, ein Atelier, eine kleine Veranstaltungsfläche, ein Nachbarschaftstreff oder eine Bildungseinrichtung werden?
Warum können obere Etagen ehemaliger Kaufhäuser nicht stärker für Wohnungen oder Büros genutzt werden?
Und warum bestehen manche Städte weiterhin darauf, dass zentrale Straßen beinahe vollständig dem Konsum dienen müssen?
RheRuhRep meint: Gerade die Mischung macht eine Innenstadt widerstandsfähig.
Aufenthaltsqualität ist keine Nebensache
Eine Innenstadt funktioniert nicht allein durch ihre Gebäude.
Entscheidend ist, ob Menschen gerne dort sind.
Bäume, Sitzgelegenheiten, Spielmöglichkeiten, saubere öffentliche Räume, sichere Wege, gute Beleuchtung, Gastronomie und Veranstaltungen können stärker zur Attraktivität beitragen als die nächste austauschbare Ladenkette.
Auch der Verkehr gehört zur Debatte. Innenstädte müssen erreichbar bleiben. Gleichzeitig braucht es Orte, an denen Fußgänger sich gerne bewegen und aufhalten können.
Zwischen einer komplett autofreien Innenstadt und einer Innenstadt, die fast ausschließlich auf das Auto ausgerichtet ist, liegen viele Möglichkeiten.
Jede Stadt braucht ihre eigene Antwort
Düsseldorf braucht nicht dieselbe Innenstadt wie Duisburg. Essen nicht dieselbe wie Bochum. Und kleinere Zentren in Städten wie Ratingen, Mülheim oder Bottrop haben wiederum ganz andere Voraussetzungen.
Gerade deshalb sollten Kommunen nicht versuchen, einem vermeintlichen Erfolgsmodell hinterherzulaufen.
Die Stärke der Rhein-Ruhr-Region liegt schließlich auch in ihrer Vielfalt.
RheRuhRep sieht die Zukunft der Innenstadt deshalb nicht in der Rückkehr zu vergangenen Zeiten, sondern in einer neuen Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur, Freizeit und Begegnung.
Die Innenstadt von morgen muss nicht wieder so werden wie früher.
Sie muss einen neuen Grund schaffen, warum Menschen gerne dorthin kommen.

